Fachtagung: „Erneuerbare Energie – sichere Energieversorgung vor Ort“

Pressebericht Bürger-Energie-Plüderhausen eG, 09.05.2017

Nach dem ersten Diskussionsabend „Was kostet die Energiewende?“ im November 2016 folgte am 9.5. 2017 eine zweite Runde mit Anwendungs-beispielen.

Die Veranstaltung „Erneuerbare Energien – sichere Energieversorgung vor Ort“, die Elfriede Walendy von der BEP zusammen mit dem Solarverein Rems-Murr und der Friedrich-Ebert-Stiftung organisierte, war ein großer Erfolg. Der Schorndorfer OB Matthias Klopfer begrüßte rund 160 Besucherinnen und Besucher in der Barbara-Künkelinshalle. Dass die Stadtwerke mit erneuerbare Energien arbeiten, sei eine Investition in die Zukunft und diene der Standortsicherung, betonte Klopfer. Die Energiewende brauche auch das gesellschaftliche Engagement. Darum ging es beim hochkarätig besetzten Podium. Der bekannte Fernseh-Moderator und Autor Franz Alt, der durch die Veranstaltung führte, sagte, dass die Energietransformation in Deutschland weltweit mit Interesse verfolgt werde und der Remstaler Energiepionier Hermann Scheer überall bekannt sei.
Erste Rednerin war Margit Conrad, frühere Umweltministerin in Rheinland-Pfalz. Das Erneuerbare-Energieen-Gesetz sei eine Erfolgsgeschichte. Sie wolle vor allem die Kommunen ermutigen, gerade in energieintensiven Bereichen, mit gutem Beispiel voran zu gehen und lobte gleich den Solarverein und die BEP, das sei Engagement vom Feinsten. Als Politikerin sparte sie nicht mit Kritik an der bremsenden Wirkung der EEG-Reform und den vielen Vorschriften im Energiemarkt. Es brauche eine Dynamik von unten.
Als erstes Beispiel für Praktiker stellte Dr. Ulrich Zuberbühler „Power to Gas“ vor. Er war als Mitarbeiter des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung an der Entwicklung der Technik beteiligt, bei der aus (überschüssigem) Strom Wasserstoff erzeugt wird und danach Methangas, indem man noch CO2 hinzufügt. Dieses Methan sei beliebig speicherbar, durch die vorhandenen Leitungen quer durch die Republik transportierbar und in der Industrie oder im Verkehr einsetzbar. Sinnvoll sei die Anwendung bei Strom aus Wind- oder Wasserkraft und daher müsse so gewonnenes Methangas als erneuerbare Energie angesehen werden.
Ein großes Plädoyer für die Rolle von Stadtwerken hielt Johannes van Bergen aus Schwäbisch Hall.   Hier sei man von vorn herein ohne die „großen Vier“ (Energieanbieter) ausgekommen. Man habe mittlerweile 120% Eigenproduktion des Strombedarfs erreicht. Und überhaupt würden sich fossile Energieerzeugungen gesamtwirtschaftlich nicht rechnen. Die von ihm aufgebaute Solarinvest AG würden allen Bürgern die Möglichkeit bieten, sich an alternativen Energieformen zu beteiligen.
Das dritte Praxisbeispiel skizzierte Baubürgermeisterin Birgit Priebe aus Waiblingen. Sie stellte das Klimakonzept der Kreisstadt vor. Als besonderen Ansporn beteilige sich Waiblingen am „European Energy Award“, der 5 Anwendungsfelder umfaßt. Die Anforderungen seien hoch. Es gehe um 50% CO2-Reduzierung bis 2030 im Vergleich zu 2005; einen Energieerlass, der Bauherren verpflichtet 10% besser als die Energieeinsparverordnung (EnEV) zu bauen; einen Sanierungsplan für städtische Liegenschaften; ein energieoptimiertes Ver- und Entsorgungskonzept; ein Mobilitätskonzept mit City-Bus, E-Tankstellen – um nur Einiges zu nennen. Die Stadt sei jetzt bei 72 Punkten – 3 Punkte vor „Gold für den Klimaschutz“. Ihr Credo sei, die Gemeindeverwaltung müsse Vorreiter und Beispielgeber für Gewerbebetriebe und Bürger sein.
In der anschließenden Diskussion kamen noch zwei Politiker zu Wort: Dr. Christoph Reichle vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Helmfried Meinel vom Baden-Württembergischen Umweltministerium. Van Bergen startete gleich mit Kritik an der Preispolitik der Regierung. Der Finanzminister kassiere auch bei erneuerbare Energien zweimal Steuern, nämlich die Stromsteuer und darauf nochmal Mehrwertsteuer. Er fordere ein Kohleausstiegs-programm. „Kohle verhindert den Ausbau von Speichern“. Dr. Reichle räumte ein, in der Verkehrspolitik sei energetisch wenig passiert. Er appelliere an die Nachfrageseite. Bei der Kohleverstromung seien die Vorstellungen der einzelnen politischen Parteien für den Ausstieg unterschiedlich. Es gelte, den Strukturwandel zu gestalten. Meinel war der Meinung, damit müsse man aber jetzt beginnen. Es brauche auch Anreize für den Bau von Speichern, damit könne man nicht erst in 20 Jahren anfangen. Viele Fragen gab es auch aus dem Publikum. Ob nicht das Ausschreibungsverfahren für Windenergie vereinfacht und transparenter gemacht werden könne? Ob man überhaupt Nord-Süd-Trassen für Kohlstrom brauche und ob nicht viel mehr Dächer von Landesgebäuden für Photovoltaik bereit gestellt werden könnten? Ein Besucher meinte, es werde viel zu viel Geld für Öl- und Gasimporte ausgegeben. Moderator Franz Alt nannte ein Beispiel aus Bayern mit einem Beteiligungsmodell an Solaranlagen auch für kleine Geldbeutel, das von einer örtlichen Sparkasse finanziert werde. Nach einer kurzweiligen Vier-Stunden-Tagung setzte Franz Alt einen energischen Schlusspunkt, nicht ohne noch auf eine Resolution an die Bundesregierung aufmerksam zu machen, die zur Unterschrift auslag.

Die Aufsichtsrätin begrüßt die Besucher der Fachtagung

Aufsichtsrätin Elfriede Walendy begrüßt die Besucher der Fachtagung
Das Podium mit den Teilnehmern H. Meinel vom Umweltministerium BW, Dr. Reichel vom Wirtschaftsministerium Bund, Moderator Franz Alt, Birgit Priebe Baubürgermeisterin Waiblingen und Dipl.-Ing. J. von Bergen von Solar Invest AG

Podiumsteilnehmer v.l.n.r.: Helmfried Meinel (Umweltministerium, BW), Dr. Christoph Reichle (Wirtschaftsministerium, Bund), Franz Alt (Moderator), Birgit Priebe, Baubürgermeisterin Waiblingen) und Dipl.-Ing. Johannes von Bergen (Solar Invest AG)

Franz Alt im Gespräch mit Anja Dargatz (Friedrich-Ebert-Stiftung) und OB Matthias Klopfer

Franz Alt im Gespräch mit Anja Dargatz von der Friedrich-Ebert-Stifung und OB Matthias Klopfer
Voll besetzter Saal in der Künkelin-Halle in Schorndorf

Die sehr gut besuchte Veranstaltung, Fotos: Elfriede Walendy u. Eberhard Bartsch