Informationsfahrt des Solarvereins Rems-Murr

Pressebericht Bürger-Energie-Plüderhausen eG, 17. 10. 2014

Der Solarverein Rems-Murr hat sich vorgenommen, nicht nur den Austausch unter den zahlreichen Photovoltaikbetreibern in Landkreis zu pflegen, sondern jährlich eine Ausfahrt zu Wind-, Wasser- und anderen Energieanlagen anzubieten. In diesem Jahr ging die von Gerhard Franke straff organisierte Fahrt über Schwieberdingen und Hemmingen nach Stuttgart-Vaihingen.
Station 1) war die Heizzentrale Kaiserstein, die von Ulrich Ramsaier, dem Geschäftsführer der Naturenergie Glemstal, vorgestellt wurde. Kernstück ist ein Biomethan-Blockheizkraftwerk, das über eine Nahwärmeleitung ca. 400 Wohnungen versorgt, oder genauer gesagt, teilversorgt, da das Warmwasser direkt in bestehende Heizanlagen eingespeist wird. Dabei bringt der 16-Zylinder nicht nur 1350 kW Wärmeleistung sondern auch 1200 kW auf der Stromseite. Der Motor läuft zwei mal am Tag, wenn die Stromkurve den größten Bedarf anzeigt. Um die Wärme gleichmäßiger zu liefern, puffert ein 200 m3 Tank 70 bis 90 Grad heißes Wasser. Die Besucherinnen und Besucher stiegen gleich in die Diskussion ein. Wo denn das Biogas herkomme und ob dafür ausschließlich Mais angebaut werde, was schädlich für die Bienen und die Böden sei. Ramsaier erklärte, dass die Landwirte zu wechselnden Fruchtfolgen verpflichtet seien und der Biomasse zwar das Methan entzogen würde, in den Reststoffen (ca. 80%) sämtliche Nährstoffe verbleiben und somit wieder in den Ackerboden eingebracht werden könnten. Durch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe würde der CO2-Ausstoß allein in diesem kleinen Versorgungsgebiet um 75-80% reduziert – und überhaupt – man müsse den Energieverbrauch generell durch eigene Ressourcen abdecken und nicht fossile Energieträger aus anderen Ländern – bei all den bekannten dort entstehenden Umweltkatastrophen – über weiteste Strecken zu uns einführen. Franke musste zur Weiterfahrt drängen.
Bei Station 2) führte Ramsauer der Gruppe die Hemminger Holzheizzentrale vor. Zwei Brennkessel gibt es hier, einen für Pellets, einen für Holzhackschnitzel und ein neu angebautes Blockheizkraftwerk (BHKW). Versorgt werden über 1000 Wohnungen und etliche Gewerbebetriebe. Insgesamt können 4 MW Wärmeleistung durch die Fernwärmeleitungen transportiert werden. Eine in der Nähe liegende Biogasanlage liefert dem BHKW den Brennstoff und sichert dem Heizwerk die Wirtschaftlichkeit. Im Betrieb habe sich gezeigt, dass der Bedarf an Holzhackschnitzeln stark schwanke und z.B. im letzten Jahr ein Teil des Angebots nicht abgenommen werden konnte. Beim anschließenden Mittagessen bemühte sich Ramsauer, alle noch anstehenden Fragen zu klären und kam dabei fast nicht zum Essen. Der Nachmittag eröffnete dann einen Blick in die energetische Zukunft bei ZSW und ETOGAS. Zur Erläuterung: ZSW ist die Zentrale für Solarenergie- und Wasserstoffforschung in Stuttgart-Vaihingen, bei der die synthetische Herstellung von Methan mit Hilfe von Elektrolyse und Addition von CO2 entwickelt wurde, und ETOGAS ist die Stuttgarter Firma, die diese Technik auf dem Markt platzieren soll – Stichwort: „power to gas“. Stefan Rieke, der die ganze Produktionskette für Synthesemethan bereits im Mai diesen Jahres beim Solarverein erläutert hatte, begrüßte die Besuchergruppe und stellte den Forschungsleiter des ZSW, Dr.-Ing. Ulrich Zuberbühler vor. Zu besichtigen war zunächst ein 300 kW-Elektrolysecontainer, der im Betrieb still vor sich hin blubbert und aus Wasser zunächst einmal Wasserstoff und Sauerstoff herstellt. Im Inneren der sogenannten alten Gasfabrik stand dann der Prototyp der Syntheseanlage, die Wasserstoff und CO2 zu Methan zusammenfügt. Hört sich einfach an, ist aber doch das Resultat eines längeren Forschungszeitraums, wie Dr. Zuberbühler erklärte. Das CO2 könne der Außenluft entzogen werden oder auch dem Meerwasser, werde aber für die Pilotanlage aus der Industrie angekauft. Bei der ersten, durch die Firma ETOGAS errichteten und bei der Autofirma Audi angesiedelten 6-MW-Anlage komme der CO2-Anteil idealerweise direkt aus der Abluft einer Biogasanlage. Das erzeugte synthetische „Erdgas“ wird die Kfz-Firma für ihre gasbetriebenen Modelle bilanzieren und damit den CO2-Ausstoß der Gesamtfahrzeugpalette deutlich reduzieren.
Noch offen sei die Verwertung des anfallenden Sauerstoffs. Die Vorteile des Energievorrats in Form von Methan seien vielfältig: Man könne natürlich damit wiederum Strom erzeugen, jedoch vor allem für Mobilität und „green chemistry“ ist das Gas geeignet und durch seine verlustfreie Lager- und Transportfähigkeit dem elektrischen Strom überlegen. Auch Dr. Zuberbühler sprach sich mit Nachdruck dafür aus, die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen maximal auszubauen und allen Energiebereichen zugänglich zu machen.  Die Power-to-Gas-Anlage durfte nicht fotografiert werden; dafür gab es bei den historischen Dingler-Verdichtern und den Kugelgasbehältern draußen lohnende Fotomotiv