Podiumsdiskussion zum Thema: „Was kostet die Energiewende?“

Pressebericht Bürger-Energie-Plüderhausen eG, 14.11.2016

Dass Dr. Nina Scheer mit auf dem Podium saß, war nicht nur für das Publikum aus dem Rems-Murr-Kreis eine besondere Freude. Es war auch sehr spannend, ihren klaren politischen Positionen  zu folgen. Auf der von der Bürger-Energiegenossenschaft-Plüderhausen gemeinsam mit dem Solarverein Rems-Murr und der Friedrich-Ebert-Stiftung gründlich vorbereiteten Veranstaltung im Waiblinger Bürgerzentrum war insgesamt viel Fachkompetenz vertreten. Die Volkswirtin Esther Chrischilles, die im Institut der deutschen Wirtschaft in Köln den Sektor Umwelt, Energie und Infrastruktur (man beachte die  Konstellation) bearbeitet, stellte eingangs klar, dass es nicht um teuer oder günstig geht. Es gehe  vor allem darum, ob die Förderung an der richtigen Stelle ansetzt und z.B. ob der Stromkunde die Kosten der Energiewende bezahlen soll, die ja politisch beschlossen ist und die so gut wie niemand mehr in Frage stellt. Malte Kreutzfeldt, der als Vertreter der kritischen Presse (taz) auf dem Podium war, erläuterte anhand einiger Zahlen die Entwicklung des Strompreises, z.B. den Anstieg um rund 15 ct/kwh zwischen 2000 und 2015 und dass dabei die EEG-Umlage nur mit ca. 6,5 ct beteiligt sei.
Seine Recherchen sind in seinem Buch „Das Strompreiskomplott“ nachzulesen (2014). Dr. Jörg Jasper, der bei der EnBW für Energiepolitik zuständig ist, betonte, dass die Energiewende effizient umgesetzt werden müsse. Der Strommarkt sei gut aufgestellt. Es dürfe jedoch nicht zu Verteilungsprozessen kommen, die einige Verbrauchergruppen benachteilige. Das führe schließlich dazu, dass die Akzeptanz für die notwendigen Veränderungen verloren gehe und so auch für den Energiekonzern die Investitonsplanung schwieriger werde. Dr. Nina Scheer, im Bundestag Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie und intensiv an der EEG-Novelle beteiligt, sagt sie sei noch nicht zufrieden mit den gegenwärtigen Regelungen (Ausbaupfad). Ihr Anspruch wäre, die sogenannte CO-2-Bepreisung nach und nach einzuführen. Das bedeutet, die fossilen Energieträger mit den wahren Kosten zu belasten und nicht zu subventionieren. Dann bräuchte man die erneuerbaren Energien nicht mehr zu fördern und es entstünden mehr Anreize für neue Technologien. Sie setzt sich auch für einen erleichterten Zugang für Bürgergenossenschaften zum Energiemarkt ein. Das gefiel den Veranstaltern besonders gut.
Es folgten Fragen aus dem Publikum, die noch einmal zeigten, wie viele Facetten der Energiemarkt aufweist. So wurde z.B. deutlich, dass eben auch der Wärmemarkt und der Mobilitätsbereich sehr stark auf den Stromsektor zulaufen werden und dass an der Flexibilität des Energieeinsatzes gearbeitet werden muss.
Elfriede Walendy von der  Bürger-Energiegenossenschaft-Plüderhausen freute sich über das große Interesse beim Publikum und bedankte sich bei den Teilnehmern auf dem Podium für die Fülle an Informationen, bei Rolf Gaßmann für die straffe Moderation und bei den Mitveranstaltern, der Stiftung Energie und Klimaschutz und der Friedrich-Ebert-Stiftung, die die Veranstaltung organisatorisch und auch finanziell mit getragen haben.

Hanne Barth vom Solarverein Rems-Murr begrüßt die gut besuchte Veranstaltung.
Hanne Barth vom Solarverein Rems-Murr begrüßt die gut besuchte Veranstaltung, Foto: Elfriede Walendy