Tagung: „Klimagerechtigkeit für alle!“

Pressebericht Bürger-Energie-Plüderhausen eG, 19.10.2018

Fünfhundert internationale Teilnehmer an einer Tagung mit dem Thema „Klimagerechtigkeit“ sind schon ein starkes Echo. Es zeigt, dass die Fragen, welche Folgen die Änderung des Klimas haben können, viele Bevölkerungsgruppen beschäftigen. Zwei Mitglieder unserer Bürgerenergiegenossenschaft (BEP) nahmen sich einen (anstrengenden) Tag Zeit, um sich im Stuttgarter Haus der Wirtschaft diesen Fragen zu stellen. Die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit BW (SEZ) hatte die Vorträge, Diskussionsforen und den Markt der Ideen organisiert und wurde dabei von rund 50 Organisationen unterstützt – von BW-Bank bis ZEB (Zentrum für entwicklungsbezogene Bildung).
Zu den Inhalten: Gleich zu Anfang berichtete Staatssekretärin Dr. Gisela Splett von den Öko-Konzepten der Landesregierung und deren verbindlichen Nachhaltigkeitszielen. Kurz gefaßt: Der CO-2-Ausstoß pro Kopf soll (muß) auf 2 Tonnen pro Jahr gesenkt werden. Zur Zeit sind es 10 Tonnen je Bundesbürger. Die „Keynote“ lieferte die Abteilungsleiterin des Klimareferats der bischöflichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in Bangladesch, Anjalina Diana Podder.
„Wir in Bangladesch zahlen den Preis für den Klimawandel“ rief sie ins Publikum. Und dann zählte sie die Fakten auf. Weniger Regen und Verschiebung der Regenfälle, weniger Trinkwasser und weniger Wasser für die Landwirtschaft, Ernteverluste, zunehmende Versalzung des Grundwassers und der Böden in den Küstengebieten und heftige Wirbelstürme sind die nicht mehr zu übersehenden Auswirkungen des Klimawandels. Die Folge – eine zerstörte Umwelt in einer Region, die knapp einen Meter über dem Meeresspiegel liegt und so gut wie nichts zum Klimawandel beigetragen hat. Den Menschen in den betroffenen Gebieten bleibt nichts anderes mehr übrig als wegzuziehen. Ihr Ziel sind die großen Städte des Landes, die mit dem Ansturm der Klimaflüchtlinge völlig überfordert sind. Mindestens genauso schlimm wie die Auswirkungen auf die Umwelt sind die sozialen Auswirkungen des Klimawandels. „Am meisten leiden die Frauen und Kinder darunter“
Ausführlich beschrieb Prof.Dr.Dr. Felix Ekardt das Klima-Szenario im Diskussionsforum 1 (davon gab es 12). Der Klimawandel wird richtig teuer. Wenn wir uns am Paris-Abkommen orientieren, heißt das, den durchschnittlichen Temperaturanstieg auf maximal 1,5° begrenzen. Das bedeutet Verzicht auf fossile Brennstoffe, keine ölbasierten Kunststoffe und weniger Nutztiere. Emissionen nicht verlagern, sondern vermeiden. Prof. Ekardt hält dafür auch einen gesellschaftlichen Wandel für erforderlich, an dem alle Gruppen teilnehmen müssen, Konsumenten, Industrie, Landwirtschaft, Politik und Wähler. Die Wertediskussion sei wichtig, aber noch wichtiger sei das Verhalten. Die Haupthindernisse für das Umdenken seien die Orientierung am Eigennutzen, die technisch-ökonomischen Pfadabhängigkeiten, die tradierten Werthaltungen (so nennt er das) und unsere Vorstellung, von dem was normal ist. Einen ganzen Katalog von Maßnahmen für Klimaschutz stellte Edna Sawe (ebenfalls im Forum 1) für Kenia vor, der der dortigen Regierung vorliegt. Z.B heißt es da: Autofrei leben, Flüge vermeiden, Ökostrom nutzen, ein Kind weniger. Die Umsetzung ist noch offen. Im Forum 2 wurde über globale Wertschöpfungsketten gesprochen. Im Forum 3 ging es um die vom Klimawandel ausgelösten Migrationsbewegungen. An anderer Stelle wurden die Rollen von Bund, Ländern und Kommunen beleuchtet, die für die Nachhaltigkeit als Gemeinschaftsaufgabe den Schulterschluss suchen müssen. Im Forum 8 wurde über die Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit von CO-2-Kompensationen debattiert. Auch wenn erzeugte CO-2-Tonnen etwa bei Atlantikflügen finanziell ausgeglichen werden und das Geld in Aufforstungen in Reservaten angelegt wird, ergibt die Bilanz noch keine Reduzierung. So wurde in allen 12 Foren die Klimaproblematik breit aufgefächert: Forst-und Wassermanagement, Katastrophenhilfe im Angesicht von Umweltveränderungen, faire und klimagerechte Beschaffung in Kirchen und Kommunen, klimagerechte Mobilität oder Landwirtschaft und Ernährungssicherung.
In der Abschlussrunde wurde noch einmal auf die Agenda 2030 mit dem Klimaschutzziel 13 hingewiesen und auf das Übereinkommen von Paris, die von fast allen Staaten der Erde anerkannt werden. Eine Dokumentation der Veranstaltung und Beispiele für die Arbeit der Stiftung finden Sie unter www.sez.de